Wir schreiben das Jahr 2001. In diesem Jahr war ich gerade mitten in meiner Ausbildung zum Elektrotechniker an der „Höheren Technischen Bundes Lehr- und Versuchsanstalt“ in Innsbruck. Eines der – im Nachhinein betrachtet – für mich wichtigsten Fächer war „Elektrische Anlagen“. In diesem Fach wurde alles rund um die Stromversorgung besprochen. Angefangen bei der Berechnung von Generatoren, Übertragungsnetzen und Transformatoren bis hin zur Besprechung der Normen in der Elektrotechnik oder der von uns Schülern schon damals heiß geliebten „TAEV“ („Technische Anschlussbedingungen für den Anschluss an öffentliche Versorgungsnetze mit Betriebsspannungen bis 1000 Volt“). Letztere hat nicht nur ob ihres sperrigen Langnamens einige meiner Mitschüler zum Zittern gebracht…


Was das mit dem Netzausbau zu tun hat? Nun, schon damals war jedem Elektrotechniker, der sich mit Stromnetzen beschäftigte, klar, dass eine Änderung der Stromerzeugung – also weg von großen, meist fossil betriebenen Kraftwerken hin zu dezentraler, erneuerbarer Stromerzeugung – auch einen massiven Ausbau der Verteilnetze erforderlich macht.


Wir gingen damals auch utopisch anmutende Ideen an: Unser Professor ließ uns ein Übertragungsnetz berechnen, das Photovoltaikstrom aus der Sahara nach Europa transportieren kann. Ergebnis: Ja, dies ist sogar technisch relativ problemlos machbar.


Mehr als zwanzig Jahre später müssen wir aber feststellen, dass ein Netzausbau praktisch überhaupt nicht stattgefunden hat. Die Idee der Stromübertragung aus der Sahara geistert zwar immer wieder durch einschlägige Foren, aber über eine Umsetzung wird noch nicht einmal geträumt.


Was muss also geschehen? Zunächst muss der Gesetzgeber handeln: Er muss dem Netzausbau höhere Priorität zuweisen. Denn aktuell kann eine einzelne Beschwerde gegen eine zusätzliche Stromleitung den Bau um Jahre verzögern – auch, wenn die Beschwerde nur einen kleinen Teilabschnitt betrifft. Beispiel hierfür ist ein aktueller Fall in Oberösterreich – „Österreichs Energie“ als Interessensvertretung der E-Wirtschaft hat in einer ihrer letzten Publikationen ein Projekt der voestalpine in Linz betrachtet, bei dem genau dieses Problem unter Umständen das gesamte Projekt zum Scheitern bringt (siehe https://oesterreichsenergie.at/publikationen/stromlinie Ausgabe #4/2023 „Klimaprojekt an der Kippe“).


Und dann müssen die Projekte zum Ausbau des Netzes umgesetzt werden, was einiges an Zeit in Anspruch nehmen wird – wir sprechen hier bei manchen Projekten von Jahrzehnten. Gebraucht werden diese Projekte aber bis Mitte der 2030er-Jahre.


Können wir als Normalbürger etwas daran ändern? Ja. Die Zeit drängt – und es liegt sehr vieles an der Politik. Und nicht nur in Österreich wird im Jahr 2024 gewählt…

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  • Datum: 26 Januar, 2024

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