Es fällt mir noch immer auf, dass sich Menschen nach unserem Auto umdrehen. Ich denke, das wird momentan noch den allermeisten Elektroautofahrern so gehen, speziell wenn das Auto „etwas“ größer ist. Denn denen traut man offensichtlich nicht zu, elektrisch fahren zu können.

Ich kann nicht anders: Mir zieht es immer noch einen Grinser ins Gesicht, wenn ich diese Blicke bemerke. Es gefällt mir zugegebenermaßen, Vorbild zu sein. Aber auch mir selbst geht es immer wieder so, wenn ein Auto, das ich auf der Straße noch nicht gesehen habe, an mir vorbei gleitet.

Bislang ist es mir nur einmal untergekommen, dass jemand abfällig über das E-Auto an sich und über meines im Speziellen gesprochen hat. Der wusste allerdings nicht, dass ich danebenstehe. Ein bulliger Mann mit lauter Stimme, den deutschen Akzent muss ich nur der Vorurteile wegen erwähnen. „So einen Schrott würde ich mir nie kaufen. Das kannst du nur kaufen, wenn du in der Stadt wohnst und höchstens 10 Kilometer am Tag fährst. Wenn du da jeden Tag von St. Johann nach Wörgl fahren musst, dann bist du aufgeschmissen.“

Kurz habe ich überlegt, etwas darauf zu erwidern, mich in die Diskussion einzumischen. Aber ich habe viel fieser reagiert: Ich bin zum Auto gegangen, habe so getan, als ob ich etwas aus dem Handschuhfach hole und bin wieder ausgestiegen. Und habe mich darüber gefreut, dass dem Schreier das Wort im Hals stecken geblieben ist. Urplötzlich ging es in dem Gespräch um etwas ganz anderes…

Ansonsten verlaufen Gespräche über das E-Auto ganz anders. Jene, die mich am Parkplatz ansprechen, fragen ganz interessiert. Meist ist die Reichweite die brennendste Frage – und meist ist die Reaktion auf meine Antworten positiv. Abwägendes Kopfnicken, ja, das könnte dann schon alltagstauglich sein. Und interessanterweise ist das Thema, mit dem ich mich als einziges wirklich beschäftigen musste, gar nie angesprochen worden: das Laden.

Interessant war die Diskussion mit meiner „kleinen“ Schwester. Sie fährt in die Arbeit vorbildlich mit dem Zug. In ihrer Garage steht ein kleiner, mittlerweile in die Jahre gekommener Verbrenner. Und bei dem laufen jetzt Reparaturen auf und sie überlegt, ihn einzutauschen. Aber wieder gegen einen Verbrenner. Ihre Argumente verstehe ich sogar, obwohl ich sie aus meinen Erfahrungen und Gesprächen mit anderen E-Auto-Fahrern nicht als so problematisch sehe, wie sie.

Ihr Problem ist nämlich, dass das Auto teilweise vier, fünf Wochen unbewegt in der Garage steht. Und sie hat die Sorge, dass das Auto danach leer ist. Und sie dann erst recht wieder steht. Und Ladestation ist bei ihr im Mehrparteienhaus momentan noch eine Utopie. Und wenn sie überhaupt eine installieren dürfte, dann wäre ihr das zu teuer.

Das mit dem vier, fünf Wochen Stehen könnte eventuell wirklich ein Problem werden. Das liegt aber nur zu einem kleinen Teil am Elektroauto selbst – die Akkus sollten eigentlich so stabil sein, dass diese kaum Energie einfach so verlieren. Allerdings sind moderne Autos und im Speziellen auch die Elektroautos so gebaut, dass sie ständig irgendetwas machen. Das fängt beim „Nach-Hause-Telefonieren“ an, geht über die permanente Überwachung des Autos bis hin zum Klimatisieren der Akkus. In diesem Punkt kann ich ihr auch nicht weiterhelfen, denn hier geben die Autohersteller auch keine seriösen Angaben geschweige denn Garantien. Ich vermute, dass die Hersteller das einfach auch selbst nicht genau sagen können und wollen.

Aber vielleicht habe ich sie überzeugen können, dass sie noch ein, zwei Jahre wartet. Dann könnte sich zum einen das „Right to Plug“ etabliert haben und vielleicht ist dann ihr Wohnbauträger auch bereit, generell Lademöglichkeiten in der Tiefgarage zu installieren. Dann wäre es auch für sie eine gute Lösung…

Update: Ich schreibe schon seit einiger Zeit die jetzt veröffentlichten Blogtexte auf. Dieser Bericht stammt aus dem letzten Kalenderjahr und in der Zwischenzeit habe ich von verschiedenen Herstellern auf meine Anfrage nach dem Verlust der Batteriekapazität erhalten. Ein Hersteller (sogar jener, von dem der aktuelle Verbrenner meiner Schwester stammt) hat offiziell geschrieben, dass "in jedem Fall unter 0,1% pro Woche" an Verlusten gerechnet werden kann. Die anderen RÜckmeldungen waren in die Richtung "innerhalb eines Monats ist mit keinem merklichen Verlust der Batteriekapazität zu rechnen". Meine Schwester hat übrigens noch immer den alten Verbrenner...

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  • Datum: 23 September, 2022