Leider bekomme ich vom Laden beim Hotel nicht viel mit. Weil uns nämlich angeboten wird, das Auto zu parken. Und Laden ist kein Problem: Sie stellen das Auto gleich zur Ladestation und parken es dann am nächsten Morgen, wenn es voll ist, auf unseren Parkplatz. Ich konnte nicht anders, als das auszuprobieren.

Ungefähr eine halbe Stunde später meldet sich die App meines Autos: „Ladevorgang erfolgreich gestartet“ steht in der Push-Mitteilung. Und mit 11 kW wird geladen, sehe ich in der App. Also mit dem Maximum, das unser Auto mit Wechselstrom kann. Also Abend genießen.

Und am nächsten Tag gehen wir bei der Rezeption vorbei, um den Autoschlüssel abzuholen. Das Auto steht dann allerdings – obwohl bereits seit der Nacht vollgeladen – noch bei der Ladesäule. Angesteckt. Meine Damen steigen ein, ich stecke ab. Es scheint unser Ladekabel zu sein – der Hausmeister scheint es unter der Abdeckung gefunden zu haben. Da der Kinderwagen aber noch im Auto war und ich keine Lust hatte, ihn herauszupacken, legte ich das Kabel nur schnell hinein und stieg ein. Wir rollen Richtung Ausfahrt, da kommt uns ein Mann mittleren Alters entgegen und winkt uns, stehen zu bleiben.

Ob denn mit dem Laden alles geklappt hat, wollte er wissen. Alles perfekt, Auto ist voll war meine Antwort. Da sei er aber froh, denn er habe unser Ladekabel nicht gefunden. Und wusste nicht, ob das mit seinem dann auch funktioniert. Ob wir das denn bei der Ladesäule hängen haben lassen?

Ich musste schmunzeln. Er hatte offenbar sogar ein Ladekabel, das dieselbe Aufschrift hat, wie unseres. Ich spare mir aber, ihm die Sache mit dem Steckertyp zu erklären. Dass es für Wechselstromladen (praktisch) nur noch einen Steckertyp gibt und wenn der Stecker passt, dann lädt das Auto in der Regel auch. Ich erkläre ihm nur, dass ich das Kabel unter der Abdeckung verstaut habe. In einer Tasche drinnen. Und dass da ein zweites mit einem dicken Zwischenteil auch drinnen liegt.

Das Kabel mit dem „dicken Zwischenteil“ ist übrigens eine vernünftige Sache. Ich habe es mir eigentlich deshalb besorgt, weil in diversen Online-Videos davon die Rede ist. Es handelt sich dabei um einen Laderegler, also ein Teil, das den Ladestrom begrenzen kann. Das ist praktisch, wenn man unterwegs ist und eine Steckdose, aber keine Ladesäule findet. Dann reduziert man damit den Ladestrom und somit auch die Belastung für das Stromnetz, das davor liegt. Wenn man also nicht weiß, ob da ein guter Elektriker am Werk war… Und es hat auch Adapter für alle möglichen Steckertypen mit dabei. Ich kann also bei einer „normalen“ Steckdose genauso laden wie bei einer Kraftsteckdose oder einem „Campingstecker“. Hier aber wieder mein Hinweis: An einer Steckdose, auch an einer Kraftsteckdose, zu laden ist nur eine Notfallvariante. Und bitte hier immer mit dem niedrigsten Strom laden und am wichtigsten: Abstecken zuerst immer beim Auto!

Ich verwende dieses Teil auch ganz gerne, wenn ich „auswärts“ über Wechselstrom lade. Auch an den Ladesäulen. Denn der Laderegler hat auch noch einen Gleichstromfehlerschutz und einen Überspannungsschutz. Also nur für den Fall, dass die Installation bei der Wallbox nicht passt, habe ich mein Auto damit geschützt. Ist zwar irgendwie so, als wenn man mit Gürtel und Hosenträger unterwegs ist, aber egal…

Bei der Heimfahrt nehmen wir diesmal den Weg über den Jaufenpass. Und ich muss mich ganz schön zusammenreißen, dass ich das Gaspedal nur leicht streichle. Denn mit dem Drehmoment könnte man schon… Aber dann hätte ich wohl ein Problem mit meiner Familie. Vermutlich zurecht. Also gemütlich. Trotzdem kommen wir oben mit einem Verbrauch von über 50 kWh pro 100 km. Und die Restreichweite lässt uns nicht einmal mehr bis nach Sterzing kommen.

Zum Glück bleiben wir mittlerweile ruhig. Und beim Bergabfahren sinkt der Durchschnittsverbrauch auch gleich schnell, wie er vorher gestiegen ist. In Sterzing haben wir dann wieder unter 20 kWh pro 100 km. Und mit der Restreichweite kommen wir locker nach Hause. Mit über 50% Restkapazität.

Inzwischen sind es schon über 8.000 Kilometer, die wir mit dem Elektroauto heruntergespult haben. Meine beruflichen Fahrten sind noch nicht annähernd jemals an die Grenzen des Autos gekommen. Und auch der Urlaub war mit zwei kleinen Ausnahmen mit dem Elektroauto vollkommen entspannt. Das Fahren selbst ist unglaublich angenehm und ruhig. Ich kann es mir schon nicht mehr anders vorstellen…

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  • Datum: 16 September, 2022