Sommer 2021. Es geht natürlich wieder drunter und drüber. Nein, nicht zu Hause, sondern im Büro. Wir wollen am Dienstag losfahren, Montag habe ich mir extra schon frei genommen. Aber natürlich wieder nicht den ganzen Tag. Ein paar Dinge wollen unbedingt noch erledigt werden, wenn ich nicht nach dem Urlaub wieder überrannt werden will.

Und eigentlich sollte ich mich ja noch um die Ladestationen am Weg informieren. Nur zur Sicherheit. Vor allem nach den Erfahrungen meiner Schwester. Aber irgendwie will es sich nicht ausgehen. Aber gut, erste Etappe geht ja nur an den Gardasee. Und das sollte doch mit einer vollen Ladung möglich sein, oder? 312 km bis zu unserer Unterkunft, kein Problem also. Das Notebook nehme ich ohnehin mit, dann kann ich dort auch noch recherchieren. Im Liegestuhl in der Sonne. Klingt gut, das beruhigt mich wieder.

Wir fahren dann am Dienstag los. Bis Innsbruck gibt es nur gute Laune, die Mädels sind überdreht. Klar, die Große freut sich schon längst auf den Urlaub, und die Kleine hat auch mitbekommen, dass etwas passiert. Richtung Brenner schlägt die Stimmung etwas um. Die Kleine hat Hunger und schreit, die Große fühlt sich dadurch gestört und schimpft. Und wir vorne bemerken, dass die Reichweite schneller schrumpft, als wir vorwärtskommen. Also drossle ich die Geschwindigkeit. Nicht mehr 130, sondern 110 km/h stehen am Tempomat. Die Reichweite schrumpft nun langsamer, aber immer noch zu schnell.

Ob es sich dann mit der Zunahme beim Bergabfahren wieder ausgleicht? Sollen wir das riskieren? Mir fällt ein, dass es am Brenner irgendwo einen Schnelllader gibt. Aber wo genau? Meine Freundin versucht ihn im Navi einzugeben, irgendwas nimmt es auch an, aber ob das richtig war? Es sieht aus, als hätten wir die Ausfahrt verpasst und müssten nun bei der nächsten ab- und wieder zurückfahren? Ernsthaft? Und was, wenn der dann nicht funktioniert? Oder die Anzeige falsch ist und doch alle belegt sind?

Im letzten Moment entschließen wir uns, das doch auszuprobieren. Das Auto bekommt Strom, die Kleine Essen, die Große nochmals ein Klo und Mama und Papa können durchatmen. Es soll gemütlich werden, kein Stress. Und ich kann wieder Erfahrungen mit Schnellladern sammeln.

Das Navi sagt, das Ziel befindet sich rechts. Rechts ist das Parkhaus. Ladestelle im Parkhaus? Ich sehe nichts angeschrieben, drehe noch eine Runde im Kreisverkehr davor. Sollen wir reinfahren? Da entdeckt meine Freundin ein Banner mit dem Logo des Schnellladenetzbetreibers an der Fassade des Parkhauses. Also rein ins Parkhaus. Kein einziger Hinweis oder Wegweiser zum Schnelllader. Wir fahren also in die Richtung, in der das Banner aufgehängt war. Ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass ich da richtig bin, aber eine andere Idee habe ich nicht.

Und dann fahren wir um eine Kurve herum und stehen direkt davor. 4 Schnelllader. Sehr schön designed, aufgeräumt, sauber, hell. Und direkt am Ausgang aus dem Parkhaus. Das waren sicher die beliebtesten Parkplätze, bevor sie zu Schnellladern wurden. Nur ein Fahrzeug stand schon da, also gut Platz für uns. Ich stecke an und starte den Ladevorgang mit der App. Vollkommen problemlos. Obwohl wir schon in Italien sind.

Bis ich die Kleine ausgepackt habe und sie auf meinem Schoß zum Brei-Essen sitzt, hat das Auto schon fast 10% geladen. Meine Freundin erkundet die nähere Umgebung. Das Brenner-Outlet-Center ist direkt nebenan, aber ein nettes Café zum Sitzen im Freien findet sie nicht. Zumindest nicht so nahe, dass sie Lust hat, hinzugehen. Wir wollen schließlich bald weiter. Also geht sie nur mit der Großen aufs Klo.

Wie wir dann wieder beide Kinder angeschnallt haben, ist das Auto schon wieder weit über 90% voll. Schon wieder so unspektakulär. Und 8,20 Euro für 28 kWh ist auch OK. Umgerechnet auf 100 km ist das noch immer rund 25% Ersparnis gegenüber meinem vorherigen Hybrid. Obwohl Schnellladen ja so teuer ist…

Als nächstes schaue ich mir das Schnellladenetz um den Gardasee an. Sobald wir in unserer Unterkunft sind. Versprochen.

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  • Datum: 22 Juli, 2022