Jänner 2021. Über die Weihnachtsfeiertage ist es mir ständig durch den Kopf gegangen. Was wäre, wenn… Mit meinem Hybrid bin ich (abgesehen vom Platzangebot) alles andere als zufrieden. Der Verbrauch ist auf die Kommastelle ident mit jenem meines vorhergehenden Dieselmodells des gleichen Fabrikats. OK, er hat die doppelte Systemleistung, ist ein Allrad, Automatik ist bei einem Hybrid obligatorisch, er ist ein Benziner, und wenn ich das alles zusammenrechne, dann ist er schon relativ sparsam. Aber eigentlich nicht das, was ich wollte. Ich wollte nicht mehr Leistung mit grünem Stempel. Und wären in meinem Umfeld nicht schon andere Fahrer einen Hybrid vom selben Hersteller mit Zufriedenheit gefahren, hätte ich vielleicht auch genauer hingesehen. So bin ich einfach nur unzufrieden mit dem Fahrzeug. Und jetzt reden alle vom Elektroauto und davon, dass das die Zukunft sei. Ich bin eigentlich ein Befürworter der Brennstoffzelle. Aber da ist noch das Henne-Ei-Problem: Es gibt keine vernünftigen Fahrzeuge, und deshalb gibt es kaum Tankstellen, und deshalb gibt es keine Fahrzeuge, und deshalb gibt es kaum Tankstellen und… Vielleicht wird das irgendwann mal was, aber wir sollten doch eigentlich jetzt handeln, oder? Aber batterieelektrisch, ich weiß nicht. Wenn ich an meinen Handyakku denke und wie schnell dessen Kapazität nachlässt. Und dann komme ich nicht mal zu meinen entferntesten Kunden – immerhin „nur“ 140 Kilometer entfernt – ohne zwischendurch laden zu müssen. Oder geht das doch? Und eigentlich ist mein Hybrid doch erst knapp über 1 Jahr alt – den soll ich jetzt schon austauschen? Aber ich bin doch begeisterter Elektrotechniker – wer, wenn nicht ich sollte bei der Elektromobilität Vorreiter sein? Und ein Elektromotor kann schon was – da schauen die Verbrenner daneben ganz schön alt aus…

So drehten sich meine Gedanken immer schneller im Karussell, aber wie soll man das lösen? Und dann reichte es mir. Es war eine Fahrt, die ich in den letzten 3 Jahren mehrfach pro Woche auf mich nehmen musste: Wörgl – Wildschönau – Wörgl. Ich hatte es schon unzählige Male versucht, aber es ging einfach nicht: den Wörgler Berg herunter rein batterieelektrisch mit meinem Hybrid zu fahren. Für die Motorbremse schaltet immer der Benziner dazu und dreht auf eine unerträgliche Drehzahl hoch. Ganz aus ist es, wenn man vor sich ein langsames Fahrzeug hat und den Abstandstempomaten bemühen möchte. Das hatte ich schon nach der ersten Talfahrt aufgegeben, und nach meiner Recherche haben dieses Problem alle Hybrid, außer die neueren Plug-In-Hybrid. Hätte ich doch länger recherchiert! Aber das passiert mir nicht nochmal. Der Ärger, dass ich trotz eines gut gedämmten Fahrzeugs beim Bergabfahren nicht einmal Nachrichten vernünftig hören konnte – an Telefonieren dachte ich schon gar nicht– war dann zu viel. Jetzt gehe ich das Elektroauto konkret an. Und ich werde mich nicht mit einer 5-Kilometer-Probefahrt zufriedengeben.

Also: Auf zur Probefahrt.

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  • Datum: 08 April, 2022